Was sind schulische Krisen?

Schulische Krisen sind plötzliche, unvorhergesehene Ereignisse, die nicht im üblichen Schulalltag abgearbeitet werden können. Beispiele für akute schulische Krisen können z.B. sein:

  • Plötzliche Tode von Schülern oder Lehrern,
  • Suizide von Schülern oder Lehrern in der Schule oder außerhalb,
  • sexuelle Übergriffe, z.B. auf Klassenfahrten
  • (schwere) Gewalttaten in der Schule
  • Unfälle, z.B. mit dem Schulbus, aber auch während Schulausflügen
  • Feuer, Gasunfall, aber auch Amok- oder Bombendrohungen und weitere mehr.

 

In der Regel werden tatsächlich nur die vorgenannten, akut auftretenden Sachverhalte als Krisen in Betracht gezogen.

Eine weitere, immens wichtige Aufgabe von schulinternen Krisenteams besteht aber in der sogenannten Präventionsarbeit. Hier kommen Sachverhalte zum Tragen, die vielleicht im Moment noch keine Krise per Definition darstellen, sich jedoch zu einer Krisensituation entwickeln können, wenn ihnen keine Beachtung geschenkt wird.

Dies können Bedrohungssachverhalte in der Schule sein: auffällige Schüler, die sich durch hohe Gewaltbereitschaft auszeichnen, aber auch Mobbingopfer.

Bestes Beispiel hierfür ist z.B. der 17-jährige Robert Steinhäuser, der auf einer Klassenfahrt mit der 11. Klasse seines Gymnasiums in auffälliger Weise seinen begleitenden Lehrer bedroht hat - 2 Jahre vor seinem späteren Amoklauf in Erfurt!

 

In den zwei Jahren zwischen diesem Vorfall und dem traurigen Höhepunkt in Form des Amoklaufes konnte durch die Gutenberg-Kommission, die diesen Vorfall untersucht hat, eine Fülle von Informationen und Indizien zusammengetragen werden, die die Zunahme des Leidensdrucks von Steinhäuser, aber auch die zunehmende Gefährlichkeit der Situation eindrucksvoll zu Schau stellt:

  • Der Kauf eines Buches über Schusswaffen, noch während der Klassenfahrt
  • Der Beitritt zum Sportschützenverein zum Erwerb der Sachkunde und der damit verbundenen Erteilung eines Waffenscheins durch die Behörden
  • Die wiederholten Minderleistungen in der Schule mit der damit verbundenen steigenden (und nach außen wahrnehmbaren) Frustration des Schülers Steinhäuser
  • Der mit Mitschülern gemeinsam geplante Dreh eines Amateurvideos, in dem ein Amoklauf an einer Schule dargestellt wird („möglichst drastisch und so blutig wie möglich“) mit Steinhäuser in der Hauptrolle
  • Der Kauf von Schusswaffen und Munition, die dann Mitschülern gezeigt wurden
  • Und weitere

Ein funktionierendes Krisenteam hätte sich nach dem ersten Bedrohungssachverhalt mit Robert Steinhäuser befasst, hätte die einzelnen „Puzzlestücke“ zusammengetragen und recht schnell ein deutliches Bild von dem Gesamtszenario bekommen. Die Amoktat von Erfurt hätte durch ein funktionierendes Krisenteam mit größter Wahrscheinlichkeit verhindert werden können!

 

Der Amoklauf von Erfurt hätte durch ein funktionierendes

Krisenteam verhindert werden können!

© Selbst und Bewusst Andrea Salomon & Guido Schenk GbR © Selbst und Bewusst GbR
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